Besondere mediale Ereignisse rufen unweigerlich nach Wiederholung. Besser noch nach einer Fortsetzung. Oft heißt das: künstlerische Stagnation, nur größer und teurer. Wenn Regicide im Jahre 1 nach „Viorus“ ihr Schweigen brechen, um ihrem beachtlichen Debüt ein weiteres Königsdrama folgen zu lassen, darf man freilich mehr erwarten: Einen deutlichen Schritt nach vorn, das Erreichen der nächsten Stufe – ein reifes zweites Werk.

Werden wir Zeugen seiner Premiere: Das Licht ist stimmungsvoll gedämpft, der Saal besetzt bis auf den letzten Platz. Das Publikum scharrt unruhig mit den Füßen. Regt sich schon etwas hinterm schweren Vorhang? Raunend werden Mutmaßungen angestellt, was „Break The Silence“ mit sich bringen wird. Tuschelnd werden Erinnerungen ausgetauscht, die Spuren abgeglichen, die „Viorus“ in der eigenen Vita hinterlassen hat: Glücksmomente bei den gemeinsamen Gastspielen von Regicide und Kollegen wie Schandmaul, Haggard, In Extremo und neulich auf dem Wacken Open Air... Der Trost inmitten alltäglicher Herausforderungen. Der Weg der jungen Newcomer in den inneren Zirkel bleibender Favoriten.

Dann wird es still. Der schwere Stoff schiebt sich zur Seite. Die Bretter, die die Welt bedeuten liegen offen im warmen Farbenspiel der Scheinwerfer und ohne Umschweife versetzt uns das norddeutsche Septett wieder mitten hinein in seine nonkonformistische musikalische Ideenwelt. Durchzogen von Heiner Jaspers’ Klavierkaskaden und durchwirbelt vom folkig angehauchten Spiel der nunmehr perfekt in Szene gesetzten Geigerin Jonna Wilms. Geerdet von der hörbar zu einer Einheit zusammengewachsenen dreiköpfigen Rockfraktion, die neben Schlagzeuger Til Kasmann und Gitarrist Jan Janssen auch Neuzugang Malte Hunold am Bass umfasst. Gekrönt schließlich durch den ausdrucksstarken und variantenreichen Wechselgesang des Duos Frauke Richter und Timo Südhoff.

Wo diese sieben Individualisten aufeinander treffen, darf man gängige Kategorien und Schemata getrost vergessen. Regicide tragen die gewohnten Klischees zu Grabe und erwecken an ihrer Statt einen flirrenden Klangkosmos zum Leben, in dem nichts unmöglich ist: Zu munteren chromatischen Violinläufen lassen sie die „Plastic Dove“ flattern, „Nothing In Here“ zieht uns im orchestralen Walzertakt mitten hinein in einen von Kerzenlicht durchflackerten Ballsaal und „An Embracing Space Part III – Eclipsing Lights“ setzt das auf „Viorus“ eingeleitete Epos um schizophrene Zustände packend und ideenreich fort. Progressive-Riffs treffen auf musicalartige Passagen, herzerwärmende Melodik begegnet fragilen Momenten der Melancholie.

Die zehn Akte von „Break The Silence“ haben alles, was die Band in die Riege der vielversprechendsten Newcomer des vergangenen Jahres katapultierte und bauen diese Stärken konsequent aus: Mehr Druck, mehr Eleganz, mehr Vehemenz im Ausloten der Extreme. So steht dem verhaltenen Pianolauf diesmal der Bombast eines kompletten Chores gegenüber. Um all diese Facetten bestmöglich zur Geltung zu bringen, arbeitete man unter anderem ein weiteres Mal mit Chris Wolff (Within Temptation, 4Lyn, Sub7even, Rage & Lingua Mortis) zusammen. Das Ergebnis: Ein ausgefeiltes großes Drama, das den Alltag durchbricht, die Sinne verwirrt und nur eine Reaktion zulässt: Donnernden Applaus!

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